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Fluchtursachen?

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01.08.2017 10:52
von:
Ninnife
Status: offline  

Natürlich macht es keinen Sinn, Feindseligkeit und Fremdenangst zu bekämpfen.

Eventuell hilft Aufklärung, neue Perspektiven für den (eigenen) (Seelen-)Frieden zu gewinnen? Am besten ideologiefrei (wenn's nur möglich)?

Hier geht es um Lebenslügen:

https://www.kfw.de/storie [...] s/gesell schaft/gesellschaftlicher-zusammenhalt/flucht ursachen-bekaempfen/

Die wachsenden Flüchtlingszahlen, die seit dem Sommer 2015 die EU unter extreme Spannung setzen, legen offen, was ansonsten noch länger unsichtbar geblieben wäre: Die komplette fossile Energieversorgung der reichen Gesellschaften hängt von politisch völlig instabilen Ländern ab, in denen im Krisenfall Stellvertreterkriege geführt werden, die sich kaum oder gar nicht unter Kontrolle bringen lassen.

In der politischen Debatte wird dann viel über „Fluchtursachen” gesprochen, dabei aber die Frage ausgespart, in der die Lebenslüge des gesamten Westens formuliert ist: „Wieso ist unser Öl unter deren Sand?“


Wenn ich schweigen würde ......



editiert am 01.08.2017 10:55 Beitrag melden Zitatantwort
01.08.2017 11:00
von:
Weirdo2013
Status: offline  

Gute Idee Ich habe mir erlaubt eine short url zu erstellen, da der obige Link nicht fuzzt http://tinyurl.com/yanncqdk

01.08.2017 11:05
von:
Ninnife
Status: offline  

Uch, danke, habe es bei der Korrektur vergessen

01.08.2017 11:19
von:
Betzy79
Status: mobile  

Ich arbeite in der Jugendhilfe.
Geflüchtete Jugendliche geben fast alle an, dass ihnen Kidnapping und Gewalt (Folter, Vergewaltigungen etc.) durch die Polizei oder andere Gruppen angedroht wurde, zB auch Entführungen zu IS-Lagern. Manche werden auch politisch verfolgt und ihnen wurde Gefängnis angedroht, weil irgendjemand aus ihren Familien irgendwas "staatsfeindliches" getan hat, bzw. haben soll. Meistens haben Familienmitglieder versucht die Kinder zu beschützen und nicht selten kam dabei jemand ums Leben. Eltern stellen spätestens dann fest, dass sie ihre Kinder nicht ausreichend schützen können und schicken sie weg, in der Hoffnung auf eine lebenssichere Zukunft.

Es sind nicht alle freundlich oder dankbar oder annehmend, aber die Meisten.

01.08.2017 11:34
von:
Weirdo2013
Status: offline  

Ja, die Fluchtursachen. Sie sind so komplex, dass es einem schwindlig wird. Selbst wenn man es auf das Erdöl herunterbrechen wollen wuerde, geht es weiter mit der Verteilung und damit den politischen Interessen. Auch des Westens. Ach...und Nestlé arbeitet schon fleißig an dem neuen Rohstoff. Wasser. Und so immens wichtig die "Ursachenbekämpfung" ist...was ist mit dem Heute?

Aus "Die Anstalt" (ZDF) vom 18. November 2014 (lach...2014!!! Und es ändert sich nichts...)
Fluchtursachen bekämpfen, Probleme langfristig angehen - Zynismus in der Asyldebatte
https://www.youtube.com/w [...] LTZ6MjSs

01.08.2017 13:46
von:
Ninnife
Status: offline  

OK.

Ich habe auch das Gefühl, dass fast nur diejenige, die davon profitieren, sich positiv ggü. der Problematik "Flucht" äußern. Ansonsten ist eher Schweigen angebracht, wegen des sozialen Friedens und so

Zunächst: 1) Ist nicht ein Beweis der Überlegenheit der "Weißen" - bzw. Europäer und Nordamerikaner -, dass hier die gesellschaftlichen Entwicklung weiter voran geschritten ist, als in solchen von feudalistischen Strukturen geprägten Ländern?



editiert am 01.08.2017 14:17 Beitrag melden Zitatantwort
01.08.2017 15:21
von:
Weirdo2013
Status: offline  

Ninnife, eine einfachere Frage hattest du nicht? Ich mache erst mal einen Schritt zurück. Hat die Industrialisierung bzw. die industrielle Revolution den Feudalismus in der "weissen Welt" verdrängt? Ah ja...und dann kamen der Kapitalismus Hand in Hand mit der sozialen Frage. Und was begünstigte die industrielle Revolution? Zumindest fing sie in Grossbritannien an. Soviel ich weiss, ist es immer noch nicht so ganz klar, warum ausgerechnet dort. Insellage, "modernere" Gesellschaftsstrukturen als im Rest Europas. Keine Ahnung Tja...und dann musste man die produzierte Waren irgendwo loswerden. Oh..Afrika! Kunden und Rohstoffe Und dort ein wenig den Feudalismus ausleben

Was ist eigentlich mit dem Neofeudalismus? Die Macht in Händen weniger oder eines Einzelnen? Und die "etwas" ungerechte Geldverteilung in unseren Breiten. Siehe die politische Entwicklung in manchen Ländern? Und wenn man nicht hier "aufpasst"....

Ich kann mit einer angeblichen Überlegenheit des "Weissen" wenig anfangen....Die Zeitspanne unserer "Kultur" ist ein Wimpernschlag in der Geschichte.

01.08.2017 16:19
von:
Ninnife
Status: offline  



sollte ein Anreiz sein

OK, dann andersrum.

Worauf basiert aktuell die westliche Überlegenheit? Wen hätten schon diese Wüsten interessiert ohne Öl? Dann würden sich deren Bewohner weiterhin unbehelligt mit Falkenjagd und Kamelrennen belustigen, statt sich mit ihren abgefackten Allüren ins Weltgeschehen einmischen zu wollen

- eine kleine Hilfe: Die Schwerindustrie hat das Geschehen des 21. Jhd. geprägt. Ihre Ablegerin ist nun ..................... -

Avatar fand ich übrigens den besten Film darüber

01.08.2017 16:31
von:
HerbstKatze
Status: offline  

''Wer vom Kapitalismus nicht reden will, sollte auch von Fluchtursachen schweigen.'' (Daniela Dahn)

01.08.2017 16:53
von:
ErikaS1
Status: mobile  

Eigentlich einfach . Die erste Welt exportiert Waffen und Rüstungsgüter. Wir unterstützen Despoten..
Das Menschen nicht in Angst und Schrecken leben wollen ignorieren wir dabei und wundern uns das geflüchtete Menschen dann in unserem friedlichen Europa ankommen...

Also ganz kurz heißt es das nicht wenige Arbeitsplätze davon abhängig sind das wo anders Krieg herrscht...

Es wird sich nur etwas wandeln wenn es billiger ist Frieden zu stiften statt Waffen zu liefern...
Ich fürchte das wir diese Einsicht nicht Hz erleben werden....

01.08.2017 17:43
von:
Weirdo2013
Status: offline  

Wenn du auf die Digitalisierung anspielst, Ninnife, da frage ich mich eher, wie lange die "weisse Welt" die "Überlegenheit" noch halten kann Im Gegensatz zur Industrie ist sie leicht zugänglich und erreicht schon jetzt kleine Revolutionen in z.B afrikanischen Ländern. Von China und Indien ganz zu schweigen. Wissen ist Macht. Natürlich auch Waffen und die eine oder andere Atombombe. Aber...unsere Gesellschaft kann per digitalen Knopfdruck lahmgelegt werden Und dennoch...Digitalisierung birgt ungeheures Potential für alle. Richtig genutzt. Auch in der Wüste

By the way. So viele haben Angst, dass Flüchtlinge die westliche Kultur überrollen. Da frage ich mich, wieviel wäre jeder einzelne bereit abzugeben, damit die potentiellen Flüchtlinge in ihrem Land oder in den angrenzenden Ländern bleiben können?

01.08.2017 17:57
von:
Weirdo2013
Status: offline  

Etwas off topic. Ninnife, kennst du "Die Arbeitslosen von Marienthal" ?Eine Sozialstudie von Marie Jagoda über die Auswirkungen der Arbeitslosigkeit? Angesichts der Digitalisierung und dem nicht Loslösen von Arbeit und Geldverdienen? Unsere Gesellschaft hat so ein immenses Problem zu teilen

01.08.2017 19:04
von:
Ninnife
Status: offline  

ZitatWeirdo2013 schrieb am 01.08.2017 um 17:43:

Wenn du auf die Digitalisierung anspielst, Ninnife, da frage ich mich eher, wie lange die "weisse Welt" die "Überlegenheit" noch halten kann Im Gegensatz zur Industrie ist sie leicht zugänglich und erreicht schon jetzt kleine Revolutionen in z.B afrikanischen Ländern. Von China und Indien ganz zu schweigen. Wissen ist Macht. Natürlich auch Waffen und die eine oder andere Atombombe. Aber...unsere Gesellschaft kann per digitalen Knopfdruck lahmgelegt werden Und dennoch...Digitalisierung birgt ungeheures Potential für alle. Richtig genutzt. Auch in der Wüste

By the way. So viele haben Angst, dass Flüchtlinge die westliche Kultur überrollen. Da frage ich mich, wieviel wäre jeder einzelne bereit abzugeben, damit die potentiellen Flüchtlinge in ihrem Land oder in den angrenzenden Ländern bleiben können?


Nein, Waffenindustrie ..... Erika hat's erraten.

Es gibt auch ein Linkspopulismus

D. h. eigentlich wie viel ärmer wären wir hier, ohne Waffenexporte? Dann weißt Du auch, wie viel jede/r abgeben müsste .... macht aber keine/r


01.08.2017 19:11
von:
Ninnife
Status: offline  

ZitatWeirdo2013 schrieb am 01.08.2017 um 17:57:

Etwas off topic. Ninnife, kennst du "Die Arbeitslosen von Marienthal" ?Eine Sozialstudie von Marie Jagoda über die Auswirkungen der Arbeitslosigkeit? Angesichts der Digitalisierung und dem nicht Loslösen von Arbeit und Geldverdienen? Unsere Gesellschaft hat so ein immenses Problem zu teilen


Hier ist im Gegensatz zu anderen Ländern vergleichsweise noch ein Paradies .... Fluchtursachen sind eher schwerer als Arbeitslosigkeit, wie im o. g. Artikel ersichtlich. Aber vergleichbar sind beide eh nicht.

Dieselbe Riesenströmungen gab es schon in 18., 19. und 20 Jhd. Da lebten aber noch nicht so viele Menschen auf der Erde.

01.08.2017 19:35
von:
urmahe
Status: offline  

… mal die Bedürfnispyramide nach Maslow angesprochen (Link: https://www.google.de/sea [...] oCx4QsAQ IOw&biw=1280&bih=589#imgrc=5EKKgWhkvjK5 lM

… ja, ja, es gibt andere Ansätze…

Trotzdem… Stufe 1 - ein Grundbedürfnis: Essen Trinken, Schlafen… es folgen weitere Stufen der Bedürfnis-Entwicklung…

… wenn ich in dem Land in dem ich lebe, nicht einmal mein Grundbedürfnis erfüllt bekomme, was mache ich dann? Vielleicht nach einem Lebensraum suchen, wo ich zu mindestens meinen Hunger stillen kann und Sicherheit erfahre. …soziale Bedürfnisse, ich Bedürfnisse, Selbstverwirklichung… wow, gibts soetwas?!

Für mich sind Fluchtursachen die Suche nach einfachsten Grundbedürfnissen und Sicherheit.

Wie kann man die Fluchtursachen bekämpfen? … ich stimme diesem Artikel von PRO ASYL zu: https://www.proasyl.de/ne [...] empfung/

.. Völkerwanderungen oder heute "Fluchtbewegungen" hat es über die Jahrtausende immer gegeben, stimmt! Das ist aber noch lange kein Grund, über die aktuellen menschlichen Tragödien hinwegzusehen.

Danke für den Thread.

01.08.2017 19:52
von:
Weirdo2013
Status: offline  

Waffenindustrie...also 2013 hatten die 100 wichtigsten Waffenproduzenten der Welt ca. 400 Mill. Dollar Umsatz. Lassen wir noch China rein und sind grosszuegig. 500 Mill. Dollar. Goldmann Sachs hatte 2014 alleine einen Umsatz von ca. 35 Mill. Dollar. Wo sitzt das Kapital, die Macht?

01.08.2017 19:58
von:
Betzy79
Status: mobile  

Die Versachlichung der Ursachen ist in bestimmten Zusammenhängen sinnvoll und wichtig. Ich selbst habe es aber mit betroffenen Menschen zu tun, egal ob bei der Arbeit oder im Privaten und da sind diese Sachebenen relativ nebensächlich. Ich finde soziale Ungleichheit und Benachteiligung zu beheben ist hier die schwerste Aufgabe. -Wo fängt sie an und wo hört sie auf? Wie gleich darf ein Flüchtling einem Deutschen sein. Wie können sagenumwobene "Integration" und "Anpassung" gelingen, wenn es in er Realität keine Chancengleichheit gibt und die Ärmsten auch noch beneidet werden. Es ist ein Fass ohne Boden. Dabei gibt es welche die Schöpfen und welche die den Deckel zumachen wollen, aber von oben und nicht von unten...und das wird leider niemandem helfen.

01.08.2017 20:16
von:
urmahe
Status: offline  

... oje! "Wie gleich darf ein Flüchtling einem Deutschen sein?"

Ich überspitze mal:

Soziale Ungerechtigkeit und Benachteiligung
… erst einmal bei uns Deutschen beheben…
… und danach schauen wir mal, ob noch was übrig ist?

Meine Erfahrung ist eine andere. Die, die schon wenig haben, sind eher bereit etwas abzugeben.

Und ein „oje“ möchte ich draufsetzen: Mit dieser Einstellung der „Siegermächte“ nach dem 2. Weltkrieg, hätten „wir Deutschen“ wohl kaum überlebt.

01.08.2017 21:19
von:
Weirdo2013
Status: offline  

Kriege, Verfolgung, Diskriminierung, Armut, Umweltzerstörung durch Klimawandel...die Liste ist lang. Und für mich führen die Ursachen immer wieder zu dem alten Spiel zurück. Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer. Ein Prozent der Weltbevölkerung besitzt die Hälfte des weltweiten Vermögens. Diesen Satz muss man erstmal begreifen.

01.08.2017 21:52
von:
Betzy79
Status: mobile  

Zitaturmahe schrieb am 01.08.2017 um 20:16:

... oje! "Wie gleich darf ein Flüchtling einem Deutschen sein?"

Ich überspitze mal:

Soziale Ungerechtigkeit und Benachteiligung
… erst einmal bei uns Deutschen beheben…
… und danach schauen wir mal, ob noch was übrig ist?


Meine Erfahrung ist eine andere. Die, die schon wenig haben, sind eher bereit etwas abzugeben.

Und ein „oje“ möchte ich draufsetzen: Mit dieser Einstellung der „Siegermächte“ nach dem 2. Weltkrieg, hätten „wir Deutschen“ wohl kaum überlebt.


Ja, so hört man es oft. Aber nur, wenn genug Abstand da ist. Kommt es zu presönlichem Kontakt mit "den Fremden", ändern sich die Meinungen und Vorurteile oft.


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